Der Countdown
Bis zum St. Patrick's Day im Tunnel Vienna Live am 17.3.2026 werde ich euch Stories aus dem „Okemah Band Leben“ und meinem liefern.
Die Folk Music Stories Teil 1 – das Ende der 60er
Man schreibt das Jahr 1969. Ich habe mich etwas in Graz akklimatisiert. Nicht ganz so einfach, wenn man aus einem kleinen Markt an der Eisenstraße, vor dem Präbichl und Erzberg zwischen zwei Bergen gelegen, in eine Stadt wie Graz kommt. Durch Freunde von Ernst Pozar, einer davon Wolfgang Schnelzer (die beiden spielten später oft im Duo miteinander, auch mit mir und Okemah) habe ich angefangen, mich mehr mit Folkmusik auseinanderzusetzen. Folk war in dieser Zeit so eine Art „Zugmaschine“ für linke Politik geworden, also für die Protestbewegungen. In Deutschland gab es das Burg Waldeck Festival schon seit 1964 mit Degenhardt, Süverkrüp, Wader, Mey, Hein und Oss usw. In Österreich war man nicht ganz so politisch, aber doch kritisch. Man orientierte sich musikalisch an Peter, Paul & Mary, den Seekers und natürlich den Almanac Singers mit Peter Seeger und Woody Guthrie. In Graz gab es eine Band internationalen Formats, die Jack's Angels. Namensgeber war der Austrokanadier Jack Grunsky. Ich konnte backstage bei einem Konzert mithelfen und habe einige Jahre später mit ihm bei einem Konzert gespielt. Wir haben danach ein Treffen in Toronto vereinbart, aber dazu kam es leider nicht.
In Wien gab es die Milestones und den Folk Club Atlantis, an dessen Gründung Ernst Pozar aus Graz mitgewirkt hatte. 1969 wurden die Schmetterlinge gegründet.
Und was tat ich in diesem Jahr in Graz. Ich war mehrmals im Forum Stadtpark, das schon zehn Jahre zuvor als Präsentationsort für zeitgenössische Kunst von einem Künstlerkollektiv gegründet worden war. Es bot neben viel Literatur auch immer wieder Folk & experimentelle Musik an. Ich lernte dort Jimmy Cogan kennen, der mit seinen „Travellers“ gerade von einer England Tour zurückgekehrt war und der mir ein paar Tips in Sachen Blues mit auf den Weg gab.
Mehr als von Bob Dylan war ich in dieser Zeit vom Schotten Donovan begeistert. Da war weniger Politik drin, aber viel mehr Fantasy. Das war unbewusst schon der erste Zugang zur Welt der „Celtic Music“. Einen Song liebte ich besonders „I'll try for the sun“. Wenn man in einem Tal aufgewachsen ist, wo die Sonne um 3 Uhr am Nachmittag hinter den Bergrücken verschwindet, da suchst man die Sonne, glaubt mir. Ich habe das Lied in einem Kleinstudio auf eine Single gespielt und sie mitbekommen. Leider habe ich davon keine Aufnahme mehr und auch sonst nichts aus dieser Zeit. Man hatte damals ja kein Aufnahmegerät dabei. Ich habe diesen Song aber als Erinnerung daran, mit leicht geändertem Text, für mein Album „Songs from the south“ 2020 mit Mandy Oberle nochmals eingespielt und das taten wir beide so richtig „unplugged“.
I'll Try for the Sun • Derry Grey
Die Folk Stories Teil 2 – Die Austeiger und die erste Folkband
Die 70er begannen nicht gerade nach meinem Geschmack. Ich hatte mich in eine unangenehme Situation gebracht, indem ich der Meinung war, ich könnte hierzulande wie Bob Dylan und andere einfach aussteigen und „meinen Weg als Musiker machen“. So stand es dann zumindest in der Zeitung, nachdem ich mit Chris Scheuer, dem Sohn eines Grazer Restaurators und Enkel der Autorin Grete Scheuer schlicht und einfach vom MuPäd „abgehauen“ bin. Unsere Schulfreunde waren irgendwie stolz auf uns und unsere „mutige“ Entscheidung, u.a. Gerd Steinbäcker, der vor mir in der Bank saß. Wir kamen nicht sehr weit, weil Chris einige wichtige Dokumente nicht mitnehmen konnte. Ich hatte mich schon frühzeitig mit Pass, Taufschein, Staatsbürgerschafts-nachweis usw. eingedeckt. Wir landeten deshalb nicht in Amsterdam, wo die Reise hingehen sollte, sondern im Haus eines Bildhauers nahe Villach. Wir hatten schon ein paar Songs im Gepäck, Chris spielte übrigens Piano, ich Gitarre, sang und hatte gerade mit dem „Bluesharpspielen“ begonnen. Wir wurden über „Autofahrer unterwegs“ und Zeitungen gesucht. Offensichtlich sahen wir aber etwas schräg aus, sodass die Polizei nicht auf uns aufmerksam wurde, weil es in dieser Gegend im Sommer viele Künstler gab. Na ja, um sich das vorzustellen – ich hatte einen Ausgehrock im Biedermeierstil in schwarz an, vom Theaterfundus, „echt“ geflickte Jeans, einen breiten geraden Hut, ähnlich den Pfadfindern, einen geschnitzten Holzfisch von den Australischen Aborigines in einem Lederband um den Hals und andere Accessoires. Man fand uns nicht, aber wir gaben auf, weil der Winter einbrach. Der Song „Try for the sun“ (Folkstories 1) handelt übrigens davon.
Zurück in Graz musste ich strafweise in einem Altenheim arbeiten, wir waren ja nicht volljährig. Das war aber nicht das Problem, die alten Leute waren sehr nett. Aber dann versetzte man mich in ein anderes Gymnasium und da ging erst das Martyrium los, wenn man eben eine Vorgeschichte hat. Im Sommer des nächsten Jahres gab ich auf. Die Grazer Klasse wurde übrigens völlig aufgelöst, mit der Kreativität der Schüler konnte man damals offensichtlich nicht umgehen.
1972 konnte ich als Bluesharpplayer in einer Rock & Bluesformation mitwirken, allerdings nicht in der Steiermark, sondern in St. Paul im Kärntner Lavanttal. Die Band war aus der Big Wheel Bluesband hervorgegangen, deren Leader Dieter Themel später Mitbegründer der Bluesbreakers war. Gegründet 1969, hatten sie eine Single veröffentlicht – Big man / Silence. Die Splittergruppe hatte sich Titel von „Mountain“ vorgenommen und der Gitarrist und Sänger sah aus wie eine etwas jüngere Ausgabe von Mountain's Leslie West, spielte und sang auch so.
Dann ging ich es etwas leiser an und kehrte zu den Folkies zurück, vertonte ein paar Gedichte von Kästner, Tucholsky und Brecht und hatte im September 1973 meinen ersten Soloauftritt unter dem Titel „Was nicht in euren Lesebüchern steh“ in einem Stundentenclub. Und die Kleine Zeitung schrieb sogar darüber. 1974 lernte ich das Folk Duo Adi & Doris Scherr kennen und wir gründeten die „Jamhouse Band“, benannt nach unserem Gartenhaus, das zum Jammen diente. Etwas später kam Giovanni Persoglia dazu, der gerade von der Ferialpraxis in den USA bei BOSE und als Tabakpflücker in Carolina zurückkam, bzw. von einem einmonatigen Trip quer durch die USA, den er gleich nach dem Job machte. Was wir sofort gemeinsam hatten, war das Interesse an der Musik von Woody & Arlo Guthrie, Dylan, Donovan, Tom Paxton, Ralph McTell usw. Im Programm von Jamhouse auch Lieder von Hannes Wader, Reinhard Mey und das wunderbare „In the morning of my life“ (alter Titel „In the morning“), das Doris einfach hervorragend sang. Ihre Stimme kam der von Esther Ofarim sehr nahe. Auftritt im Leobner Kammersaal gemeinsam mit Schiffkowitz und dem Engländer Ross Murphy. Schiffkowitz sang schon ein paar Lieder, wie etwa „Gö, du bleibst heut Nacht bei mir“, die später von STS (gegründet 1978) aufgenommen wurden und viel von Crosby Stills & Nash. Deren Stil hat auch STS geprägt. Am Mischpult saß mein Ex-Schulkollege Gerd Steinbäcker, der einen kleinen PA Anlagenverleih hatte. 1969 trennten wir uns. Letztes Konzert mit Liedern von Woody Guthrie und den Texten von John Steinbeck's „Früchte des Zorns“ & Jack London's „Abenteuer des Schienenstrangs“. Dann kommt Okemah, aber erst in der nächsten Story.
Teil 3 – Aus Jamhouse wird OKEMAH
Giovanni und ich spielten 1979 für etwa ein halbes Jahr als Folk Duo weiter und trafen in einem Konzert an der Universität Leoben mit Folksänger Jack Grunsky (hatte im Vorjahr seinen 80er) zusammen, der wieder in Toronto lebte. In St. Michael in der Obersteiermark gab es eine Classic Rock Band namens „Alberich“, mit den Brüdern Delanoy, Albert Eigner und Walter Hartmann, die sich ebenfalls auflöste, weil Eigner nach Graz ging und dort u.a. bei in der Boris Bukowski Band Bass spielte. Doc John Delanoy, Sänger und Gitarrist, schloß sich Persoglia und mir an und so war eine neue Band geboren, die ähnlich STS war, aber das war überhaupt nicht beabsichtigt.
Kurz nach Gründung der Band als Trio 1980 (Persoglia, Delanoy & Grey), haben wir ein paar irische und englische Lieder ins überwiegend amerikanische Folkprogramm aufgenommen - „Leaving of Liverpool“ in der „Dubliners“ Version, aber mit dem leicht geänderten Dylan Text (er hat den Song schon 1963 unter dem Titel „Farewell“ in einer Session gecovert), die „Fairport Convention“ Adaption eines Shanties „The sailor's alphabet“ und ein paar weitere. Das Programm damals hieß „Go West“ und da ging es auch um die irischen Auswanderer, die nur vom Hafen von Liverpool aus in die Staaten gelangen konnten. Dazu dann natürlich gleich ein Sea Shanty für die Überfahrt. Der allererste eigene Okemah Song wurde übrigens „Die Tabakpflücker“ mit den Erinnerungen von Giovanni an Carolina. Sangen wir live in einer Sendung des ORF Radio Steiermark. Einige Songs von Woody Guthrie, Pete Seeger's „Lonesome valley“ (mit Arlo), Tom Paxton's „Hobo in my mind“, Huddie Ledbetter's „Midnight Special“, Arlo's „Alice's Restaurant Rag“, Jesse Fuller's „San Francisco Bay Blues“ uvm. Erste größere Liveauftritte ab 1981 im AudiMax der Montanuniversität, Open Air Graz St. Peter, mit den „Schmettlerlingen“ in Leoben Open Air Coop Markt Parkplatz. 1982 wurden Okemah in das Programm der „Steirischen Kulturinitiative“ aufgenommen und spielten bis 1984 zahlreiche Konzerte in der ganzen Steiermark. Weiters im Programm waren noch STS, Opus, EAV, Sawoff & Brandau, Hans Theessink und der Schotte Hamish Imlach. 1985 kommen Okemah ins Finale des PopODrom in Wien (Szene) und treten in der Folge beim Intern. Folkfestival in der Freudenau auf.
Costello
Da gab es dann die Dubliners und Fairport Convention, von denen wir Songs schon seit Jahren im Programm hatten. Backstage dann eine Überraschung. Auf einmal stand kein Geringerer als Elvis Costello vor mir. Natürlich überrascht, weil Costello nicht angekündigt war. Und das hat er dann auch schnell aufgeklärt, er war als der Produzent einer jungen irisch-englisch-amerikanischen FolkPunkBand mitgekommen, die hierzulande noch niemand kannte – The Pogues. Und die traten natürlich auch auf und sollten auch in Europa bald sehr populär werden. Mit Songs gemeinsam mit den Dubliners etwa „Irish Rover“ und vor allem mit „Fairytale of New York“.
Ruck ma z'samm
1985 lernten wir den Verleger & Produzenten Karl Heinz Hörmann kennen und ich ersann mit ihm ein Musikprojekt, welches Volksmusik, Folkmusic, Country und etwas Literatur, in Sessions gespielt, auf ein gemeinsames Album bringen sollte. Gedacht und getan, gemeinsam mit Aniada a Noar, Ernst Pozar & Thomas Roth, der Altsteirermusi' Kogler und Okemah begannen im Oststeirischen Stallhofen die Aufnahmen. Fertiggestellt wurde die Langspielplatte (ja tatsächlich diese große schwarze Scheibe, die jetzt wieder an Beliebtheit gewinnt!) 1986. Titel „Ruck ma z'samm – Folk aus der Steiermark“, veröffentlicht und präsentiert bei den Retzhof - und Bärfolk Folk Festivals, wo auch Sigi Maron spielte. Im Lexikon „Folk & Volxmusik aus der Steiermark“ wird darauf hingewiesen, daß es die erste Veröffentlichung dieser Art in Österreich war. Gut, da haben wir ja doch a bisserl Musikgeschichte geschrieben! Auf dem Album von Persoglia das „Ruck ma z'samm“, von mir die „Lok 97217“, von Doc „Erzberg“, echte Altsteirer Musi' von Toni Kogler & Co und Pozar vertonte mit Roth ein Gedicht von HC Artmann. Thomas Roth spielte damals Gitarre (eigentlich Rockmusik) und war ein sehr junger Mitarbeiter beim ORF. Heute ist er einer der bekanntesten Regisseure von Kriminalfilmen und Serien europaweit (Trautmann, Tatort, Kommissar Dupin, Spreewaldkrimi, Der Kommissar und das Meer und zahlreiche Spielfilme). Fortsetzung folgt!
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Die Folk Stories Teil 4 – Die Wild Geese schlafen im Wohnzimmer
In den Leobner Kammersälen veranstaltete ich ein zweitägiges Celtic Music Festival, am ersten Abend Okemah & Wild Geese aus Irland, am zweiten Abend Hans Theessink und Dan Ar Braz aus der Betagne, Songwriter und Gitarrist in der Gruppe von Alan Stivell. Die Wild Geese machten dem Trinkverhalten der Iren alle Ehre. Ziemlich betrunken nach dem gemeinsamen Abend mit Okemah verfrachtete sie ihr Fahrer in den Band-Lieferwagen, der hinten aber keine Sitze hatte, sondern nur mit Fellen ausgekleidet war. Bei mit zuhause kamen sie dann ins Wohnzimmer getorkelt und fielen einfach um, zwei auf die Wohnlandschaft, drei auf den Boden. Der Fahrer sagte mir dann „bitte nicht mehr wecken, das mögen sie nämlich nicht, da werden sie grantig“. Na ja und da lagen sie eben bis zum Frühstück, dann ging es weiter zu Konzerten in Deutschland.
Was macht ein Banjospieler bei der Altsteirer Musi'
Die Schwester von Hermann Härtel, dem Leiter des Steirischen Volksliedwerken, Friedl Thorer, spielt Bass und Hackbrett bei der Altsteirer Musi Kogler (mit uns auf der LP „Folk aus der Steiermark“) und ausgerechnet sie war dann später dafür verantwortlich, dass wir Desmond aus Clonmel/County Tipperary kennen lernten. Sie veranstaltete regelmäßig in einem heute nicht mehr existierenden Gasthaus in Leoben neben der Stadtpfarrkirche, also dem eigentlichen „Kirchenwirt“, Musikantenstammtische über das Volksliedwerk. Und eines Tages fragte sie mich dann, ob wir auch einmal kommen und spielen möchten. Natürlich kamen wir, wir waren ja einiges gewohnt, hatten wir doch schon zwei Auftritte im Leobner Gefängnis absolviert, weil dort „Kulturprogramm“ vorgesehen war und sich niemand dorthin wagte. Aber wir natürlich schon, hatte Johnny Cash uns das ja mit San Quentin schon vorgemacht. Außerdem war es recht lustig, also ich meine jetzt das Gefängnis! Also wir ins Gasthaus, die Besucher und Stammgäste ziemlich argwöhnisch, aber das ist in dieser Gegend nicht wirklich ungewöhlich. Nach eingen Songs sind sie draufgekommen, dass sich unsere Musik nicht wirklich von der „echten“ Volksmusik unterscheidet, Polkas & Walzer kommen überall vor. Man denke nur daran, dass die Altsteirer auch „Schottische“ im Programm haben.
Der Ire aus Clonmel
Und dann stellte mir Friedl einen jungen Iren vor, der von der „Steirermusi“ begeistert war. Er hatte eine Englischprofessorin aus dem Mürztal in England kennen gelernt, sie geheiratet und war mit ihr nach Österreich gezogen.
Er war natürlich sehr überrascht, daß wir Lieder aus Irland im Programm hatten. Noch am Rande, einer der Altsteirer Musikanten fragte zwischendurch, ob er auch bei uns mitspielen dürfe, holte ein Instrument aus seinem Auto und zur Überraschung war es ein Banjo. Nach dem gemeinsamen Jammen stellt er sich dann als der Tenorbanjospieler der bekannten Grazer „Royal Garden Jazzband“ vor. Sachen gibt’s.
Eine Irland Tournee mit ungewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnissen
Ich schlage Desmond Doyle vor, bei Okemah einzusteigen und die Irischen Lieder zu singen, mit denen er ja aufgewachsen war. Irland hat ja eine sehr lange Tradition, die bis in die heutige Zeit reicht, denke man dabei an U2 oder die Pogues. Doc John, Giovanni und ich machten den Rest, also die vorwiegend amerikanischen Lieder. Es entstand ein sehr interessantes, gemischtes Folkprogramm daraus, was in dieser Form hierzulande selten war. Nach einigen Konzerten, die gut angenommen wurden, gingen wir einen Schritt weiter und beschlossen Desmond's Heimat aufzusuchen und eine Irland Tournee zu starten. Desmond, Doc John und ich mit unseren Frauen. Wir gaben uns einige Tage, um Irland näher kennen zu lernen und weitere Tage, um aufzutreten. Aber es kam anders als gedacht. Wir flogen mit einer Maschine der Air Lingus (die „staatliche“ Linie gibt es schon seit 1936, also 90 Jahre) nach Dublin und wollten unser Mietauto abholen, um mit Desmond die Sightseeing Tour zu starten. Da kam er an uns mit eigenem Auto vorbeigefahren und teilte uns aus dem Auto rufend mit, wir würden uns in ein paar Tagen bei seiner Mutter in Clonmel treffen, er müsse jetzt schnell auf die andere Seite der Insel, um das Finale im Hurling anzusehen. Kurz zu Hurling, das ist, so könnte man sagen, die nationale Sportart der Iren, so wie etwa American Football für die Amis. Geht auf die Kelten zurück und ist in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen worden. Benannt nach dem Hurley, einem Schlagstock aus Eichenholz. Von jeweils 14 Feldspielern auf beiden Seiten, muß ein Lederball in das gegnerische Tor befördert werden (oder über die Querlatte geschlagen werden), wo auch jeweils ein Torwart steht. Ein gut geschlagener Ball kann bis zu 150 km/h erreichen. Ja und Desmond, eigentlich unser „gedachter“ Reiseführer, war weg in Richtung Endspiel. Wir, der Rest der Truppe, fuhren also ein Stück die Künste hinunter und dann ins Landesinnere nach Clonmel (keltisch Cluain Meala, was Honigwiese bedeutet), das im County Tipperary in der Provinz Munster liegt. Etwas außerhalb liegt der St.Patrick's Well, der größte heilige Brunnen Irlands. 916 hat in der Gegend von Clonmel eine Schlacht gegen die Wikinger getobt. Clonmel ist auch wegen der Produktion von Cider bekannt (Bulmers). Und gegen Cider wäre ja auch nichts einzuwenden, oder? Aber es kam wieder anders. Bei Mama Doyle eingelangt gab es zuerst die Familiengeschichte erzählt, vieles habe ich nicht verstanden, weil die Iren ja einen ganz anderen Dialekt sprechen und Desmond ließ sich Zeit mit dem Zurückkommen. Weiter geht es dann gleich morgen. Dabei bleiben, es wird lustig!
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Bauwollflickn Rag - Live • Okemah
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Die Folk Stories Teil 5 - Der Eintopf bei Mama Doyle
Aber er traf endlich ein und das traditionellste irische Essen wurde für uns aufgetischt - „Irish Stew“. Na ja, ich denke, fast jeder kennt diesen recht g'schmackigen Hammel-Eintopf mit Speck, Erdäpfeln, Zwiebeln, Weißkohl, Karotten, weißen Rüben, grünen Bohnen, Lauch, Staudensellerie, Petersilie, Lorbeerblättern, Thymian, Kümmel usw. Da geht wieder der „Koch“ mit mir durch, sorry! Die Zutaten wechseln, das Gericht muß bei schwacher Hitze an die zwei Stunden gekocht werden. Dazu Sodabrot, das ich ja sehr schätze. Und jetzt die Freude auf ein frisches Guinness dazu, na ja ein Cider aus Clonmel wäre auch in Ordnung.
Wir bekamen aber von der Doyle-Mama jeder ein Glas Milch, weil sie ihren Kindern nie erlaubt hatte, im Haus Alkohol zu trinken. Wow, das war ein Schock, eine Überraschung?! Aber was tut der brave Gast, er ist und trinkt brav, was er auf dem Tisch hat. Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir abwechselnd auf dem WC, weil an Hammel & Kohl mit Milch müßte sich unser Magen erst einmal gewöhnen.
Ins Pub zu Livemusik und zum Radiosender
Am Abend in das erste Lokal mit Livemusik. Es war nur ein Sänger und Musiker. Desmond sollte gleich singen und mir gab der Musiker seine Gitarre in die Hand. Und als ob wir an diesem Tag nicht schon genug überrascht wurden – die Gitarre hatte nur mehr 3 Saiten und war natürlich völlig verstimmt. Aber im Pub war es so laut, dass die „Verstimmung“ niemandem auffiel. Außerdem haben die Iren die Angewohnheit bei Songs die sie kennen, so laut mitzusingen, dass du dich selbst fast nicht mehr hörst. Am nächsten zu einem einstündigen Interview zum Radio Clonmel mit dem einen oder anderen Livesong und der Ankündigung des Okemah Auftritts im Hearn's Hotel am nächsten oder übernächsten Tag. Dann folgte noch ein weiterer, kleinerer, fast familiärer Auftritt in Clonmel und es ging weiter nach Cahir. Wir hatten für diese Auftritte eine PA Anlage benötigt und die holten wir im Musikgeschäft von Mary Morris, einer schon etwas älteren Frau ab. Sie mußte uns aber mitteilen, dass die neue Anlage leider ohne Kabel geliefert worden war. Kurzum, sie telefonierte mit dem Elektroladen im Ort, gab uns Geld und schickte uns dort hin. Sehr schnell waren die Kabel fertig. Das war wirklich unglaublich nett und bei uns ziemlich unvorstellbar, noch dazu verlangte sie ziemlich wenig Miete für die Anlage.
Bei den „Tinkers“ im „Black Tom's“
Also nach Cahir zu Black Tom's, einer „verruchten“ Seeräuberkneipe. Und das war kein Scherz! Wir wurden davor gewarnt, dort zu spielen, weil es immer wieder zu Schlägereien mit den „Tinkers“ gekommen ist. Ja, wer sind jetzt diese Tinkers? Sie sind das irische fahrende Volk, auch Irish Travellers genannt, um es freundlich auszudrücken. Die Bezeichnung kommt vom Zinn, dem „Tin“ der „Kesselflicker“. Sie haben ihre eigene Sprache, genannt „Shelta“, was noch wichtig werden sollte. Eigentich ein nettes Lokal, so kam es uns vor und wir starteten unseren Auftritt. Wir spielten schon mehr als eine halbe Stunde, als die Tür aufging und etwa 20 Tinkers (Männer und Frauen) zur Tür hereinkamen. Der Gesichtsausdruck des Lokalchefs verhieß nichts Gutes, nur eine Frage der Zeit, bis eine Schlägerei ausbrechen würde. Wir machten die erste Pause und im WC kam es dann zu einem Ereignis, das, wie erwähnt, mit der eigenen Sprache der Tinkers zu tun hatte. Ein Tinker und Doc John standen am Pissoir nebeneinander und Desmond hörte dahinter das Gespräch mit. Zum Glück verstand er die Sprache weitgehend und konnte uns danach über den Vorfall aufklären. Der Tinker sprach Doc John mehrmals an und Doc, gut erzogen und freundlich wie er ist, antwortete immer „Oh, thank you“. Er hatte eigentlich nichts davon verstanden, klärte uns der, sich vor Lachen schüttelnde Desmond auf, denn der Traveller hatte Doc ziemlich unangenehm beschimpft. Genau der Anfang für eine Schlägerei, aber dazu kam es einfach nicht. Das muß für die Tinkers so ungewöhnlich gewesen sein, dass sie sich bei uns anstellten, um jeweils ein Lied zu singen. Also ein Lied acapella von einem Tinker, ein Lied von Okemah usw. bis wir Schluß machten und uns von allen, auch den Tinkers freundlich verabschiedeten. Der Wirt erklärte uns dann, so etwas hat er in seiner gesamten Laufbahn noch nie erlebt. Was der österreichische Charme doch ausmacht, „G'schamster Diener und Küss di Hand“. Dann noch zum berühmten „Ring of Kerry“, zu den „Cliffs of Moher“ und weiter nach Galway zu einem Lokal am Strand. Nach zwei Nächten in Dublin nach Österreich zurück. Damit enden eigentlich schon die Folk Stories. Kurz danach nahmen wir einen Rock Gitarristen und Rock Schlagzeuger auf und Okemah verwandelte sich in eine Countryrock & Folkrock Band. Und da beginnen 1989 dann die Rock Stories.
Und nicht vergessen, morgen, am Dienstag, dem 17. März, dem St. Patrick's Day“ ist Okemah Abend mit Desmond Doyle live im Tunnel in Wien.
